top of page

Über den kleinen Unterschied in einer Körperin zu leben...

Persönliche Gedanken und Erfahrungen




Ich schreibe von der Körperin.


Weil es einen Unterschied macht, ob wir nachts allein auf der Straße


in einer Körperin oder in einem Körper gehen.




Wir haben gelernt, dass es nicht sicher ist in ihr.


Dass wir besser nicht zu viel von ihr zeigen,


weil Haut gerne mal als Einladung gelesen wird.


Dass wir die Schuld in uns suchen, wenn Grenzen überschritten werden.


Dass wir besser überlegen, was wir anziehen,


wann wir wohin gehen und mit wem.






Disclaimer: Ich schreibe in der WIR Form, weil ich im Austausch mit anderen Körperin-Bewohnerinnen gelernt habe, dass sie ähnliche Erfahrungen haben...


Außerdem glaube ich, dass vieles davon auch auf andere KörperBewohner zutrifft, dennoch glaube ich, dass es immer noch den kleinen (oder großen) Unterschied gibt.






Wir haben gelernt, dass unsere Körperin uns nicht wirklich gehört.


Dass sie bewertet, geformt, korrigiert, angestarrt, kommentiert


und vielleicht sogar angefasst werden darf.


Dass es ein Bild gibt, dem sie entsprechen soll –


festgelegt von Normen und Erwartungen, die nicht unsere sind.




Also schmieren, färben, trainieren, straffen, spritzen, operieren wir uns


dem angeblichen Ideal entgegen und dem Altern davon.




Wir ignorieren ihren zyklischen Rhythmus.


Den Rhythmus des Lebens. Den monatlichen Zyklus.


Wir sollen am Besten immer gleich sein:


gleich schön, gleich verfügbar, gleich lächelnd, gleich stark.




Wir lernen ihrer Intuition zu misstrauen,


und fremden Blicken und Meinungen mehr Gewicht zu geben


als unserer inneren Weisheit.




Gefallen und Anpassen ist ein so großer Teil unseres Seins geworden,


dass wir uns sogar gegeneinander wenden.


Yep, die Sisterhood-Wound ist real.


Wir fühlen uns oft nicht mal unter anderen Körperinnen wohl.


Weil wir uns vergleichen und ständig gegenseitig bewerten.


Mit Maßstäben, die nie unsere waren.




Andere sagen uns, wann wir zu viel wollen. Oder zu viel sind. Oder zu wenig.


Zu laut. Zu leise. Zu traurig. Zu glücklich.


Bitte auf keinen Fall irgendwas „ZU…“!




Wir lernen, dass es besser ist, uns kleiner zu machen, unauffälliger.


Denn unauffällig bedeutet sicher.




Wir haben gelernt, dass Sicherheit etwas ist,


das wir uns verdienen müssen,


für das wir aktiv sorgen müssen,


etwas, das nicht selbstverständlich ist.




Deshalb haben wir schon viel zu lange ihre Stimme ignoriert.


Ihre Signale.


Ihre Grenzen.


Ihre tiefe, uralte Weisheit.




Es ist Zeit, uns zu erinnern:


Dass sie kein Projekt ist.


Kein Problem.


Kein Objekt.




Sondern Heimat.


Wissen.


Wahrheit.


Und unsere tiefste Sicherheit.




Ein Wunder.


Ein Kunstwerk.


Und es wird Zeit,


dass wir uns selbst


als dieses Kunstwerk sehen, fühlen und tragen.




Einzigartig und wunderschön im lebendigen Sein.


Eine Schönheit, die nicht im Auge des Betrachters liegt.


Sondern im Kunstwerk selbst und ihrer echten, gelebten Geschichte.




Menschen, die sich mit ihrer KörperIn verbunden fühlen,


Menschen, die sich in ihrer KörperIn wohl und sicher fühlen,


Menschen, die als Kunstwerk leben,


sind in sich selbst Zuhause und frei.




Es ist Zeit!

 
 
 

Kommentare


bottom of page